30.8.

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30.8.

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Schlingensief – In das Schweigen hineinschreien

Das Enfant terrible der Kunstszene: immer einen Schritt voraus und einen halben daneben, egal ob mit seinen "Heimatfilmen", Bühnenrevoluzzionen in Berlin und Beyreuth oder Interventionen im Stadtraum. Mit nur ganz dunkler Erinnerung an das Format "U3000" (eine Zauselfrisur in der Berliner U-Bahn, die willkürlich und ohne Vorwarnung Fahrgäste per Megaphon terrorisiert, sie unfreiwillig zum Teil einer Aktion macht, inmitten unbequemer Fragen und Lesungen; was ich als Kind super witzig fand, ohne es ganz zu verstehen) überfiel mich Böhlers Doku bei der Berlinale eigentlich genau so: ich hab Einsicht in die Hinter- und Beweggründe eines Künstlers bekommen, nach denen ich eigentlich gar nicht gefragt habe (Zufälle können so fruchtbar sein!), die aber so meisterhaft collagiert wurde, dass ich teilweise mit Tränen vor Lachen staunen musste über so viel Talent, Kreativität, Mut, performatives Selbstbewusstsein und vibrierender Lebenskraft, die Schlingensief in all seinen gesellschaftskritischen Aktionen an den Tag legte, welche mitunter so absurd waren wie die Missstände selbst. Der Film ist so turbulent wie Schlingesiefs Oeuvre, welches wiederum untrennbar ist von ihm als Person, in steter Hassliebe zu Deutschland und zur Kunstwelt und seinem Platz darin. Bei mir hat er ihn übrigens in Form des Filmposters überm Schreibtisch gefunden. Als Inspirationsquelle und Motivation, einfach mal zu machen. H

Biografie, Dokumentation; Deutsche Fassung mit englischen Untertiteln
Regie: Bettina Böhler
Mit Christoph Schlingensief, Tilda Swinton, Udo Kier, Corinna Harfouch
Deutschland 2020, 130 Min.